Interviews

Interview mit Herrn Busche (Naturschutzbund Deutschland)

geführt von Nadine Progscha Werner Heisenberg Gymnasium Heide 1998


   Kommt der Fischotter noch im Ostroher Moor vor ?

Nein, leider schon seit einigen Jahren nicht mehr. Vor 10-15 Jahren hatte man schon Probleme, die Anwesenheit von Fischottern nachzuweisen. Das ist aufgrund ihrer Lebensweise verhältnismäßig schwierig. Vor allem, wenn der Lebensraum dann den Landschaftscharakter des Süderholmer - Ostroher Moors hat, mit dem Landgraben, wo der Otter hauptsächlich vorkäme und dem überhängendenWeidengebüsch u. s. w. , was die Vegetation betrifft. Es waren schon Spezialisten aus Kiel da, die sich speziell mit dieser Art befassen und trotzdem keine eindeutigen Hinweise gefunden haben.

Halten Sie es für möglich, dass der Otter dort nochmal angesiedelt wird?

Problematisch.

Warum?

Wegen des Umfeldes. Im Grunde genommen ist es viel zu beunruhigt. Ohne das Menschen das wollen, stören sie und außerdem ist das Gebiet viel zu klein. Es müßte mindestens der Einzugsbereich der Wierbek und der Broklandsau dazukommen. Die Broklandsau fließt nördlich vorbei und davon fließt dann die Wierbek ab. Dort ist es ruhiger, weil es inmitten von Wiesengebieten liegt, in denen nur beunruhigt wird, wenn Landwirte ihrer Arbeit nachgehen. Das ist für diese Tiere ja alles Beunruhigung. Und dann sind sie ja zu groß, beinahe 1m. Man kann sie mit einer Wasserratte nicht vergleichen. Sie brauchen schon ein bißchen Raum, wie man sich vorstellen kann. In Niedersachsen finden die Otter noch solche Möglichkeiten, wo alles noch großräumiger ist. Dann auch in solchen Gebieten, die dünner besiedelt sind zumindest in Randbereichen. Hier ist nun gerade Heide, ein Ballungszentrum Dithmarschens, mit all den Freizeitaktivitäten. Ich meine das jetzt nicht aus dieser einengenden Sicht; hinaus mit den Menschen damit die Tiere sich entwickeln können, sondern das ergibt sich zwangsläufig. Der Verkehrsweg von Süderholm nach Ostrohe, dann Reiter, Radfahrer, Wanderer. Man denkt immer gleich an Angler, aber die sind ja noch verhältnismäßig ruhig. Wenn sie erst mal da sind. Aber all die anderen. Wenn es dann Naturschutzgebiet ist, was ja auch vorgesehen ist, dann stellt sich die Frage, ob ein Naturschutzgebiet nicht einen genügend großen Kernbereich haben muß, in dem der Mensch als Urwesen vorkommt, aber nicht in unserer Häufigkeit und Lärmbelästigung. So würde ich das im Augenblick sehen.

Welche Tiere kennzeichnen das Ostroher Moor?

Das sind hauptsächlich die Vielzahl der Insekten. Machen wir das mal an der Libelle fest, denn die kennen wir alle irgendwie, die in solchen sumpfartigen Lebensräumen ganz gute Möglichkeiten findet, sowohl für die Fortpflanzung als auch für die Aufzucht, d. h. daß die Jungen sich dementsprechend entwickeln können. Dann natürlich die aquatischen Tiere, z. B. Frösche und Fische. So besonders ausgeprägte Moortiere, außer dem Otter, haben wir nicht. Dazu ist das Gebiet im Grunde genommen schon zu sehr genutzt und ist im Grunde genommen schon immer genutzt worden. Das geht Jahrhunderte zurück. Das betone ich deshalb, da die sich natürlich entwickelnde Lebewelt mehrfach gestört und auch zerstört worden ist. Außerdem lagen landwirtschaftliche Aktivitäten vor. Vor 50 Jahren, da war es weitgehend Wiesenland. Mit dem 2. Weltkrieg, der deshalb eine große Rolle spielt, weil durch den Brennstoffmangel Torfabbau erfolgte. Es entstanden ca. 60 ha Wasserfläche durch die Torfstiche und damit wurde die Moorwiesenlandschaft insgesamt verdrängt oder , was die Kleinräumigkeit betrifft, rein von den Lebensmöglichkeiten arg in Bedrängnis gebracht. Das muß man dabei sehen. Die Landschaft hat sich völlig verändert. Es ist jetzt ein offener Waldlebensraum mit Gewässercharakter. Von den rein ökologischen Bedingungen her gibt es solche Landschaften gar nicht. Es ist ein Sammelsurium von Teillebensräumen, wie sie in Lehrbüchern stehen, und von daher ist moortypische Tierwelt immer nur rudimentär vorhanden, wo gerade mal ein Wasserloch vorhanden ist. Daneben kann eine Waldtierlebewelt existieren, wenn eine größere Gebüsch- oder Bewaldungsgruppe vorhanden ist.

Welche Tiere sind im Ostroher Moor besonders gefährdet?

Gefährdet eigentlich keine. Man denkt das immer so. Im Gegenteil es hat sich viel entwickelt. Wie der Otter verging, können wir nun sagen, daß sich von der Wiesenlandtierwelt eine Reihe verabschiedet. lch hole mal eine Liste, aber das sind nur Vögel, daran kann ich es festmachen. Das andere weiß ehrlich gesagt auch niemand so genau. Wenn man Lurche, Frösche und Mäuse nimmt, ist das nie bearbeitet worden. Insekten schon gar nicht. Diese Spezialisten haben wir hier gar nicht. Man kennt ein paar Arten grob von den Schwebfliegen, den Libellen natürlich. Bei den Mäusen wird es schon schwieriger, die müßte man fangen. Genauer Bescheid weiß man eigentlich nur über die Vögel. Wollen wir das einbeziehen?

Ja.

Sie hatten die Frage nach besonderer Gefährdung gestellt. Ich habe mal die Aufzeichnung eines Vogelkundlers von 1947-1954 festgehalten. Damals arbeitete man aber noch nicht quantitativ. Man qualifizierte die Vögel einfach als Art. Um mal einige für die Wiesenlandschaft zu nennen: Knäckente, Kiebitz, Trauerseeschwalbe, Schilfrohrsänger. Man hatte 22-27 Arten, von 5 Arten ist nicht genau bekannt, ob sie im heutigen Landschaftsschutzgebiet brüteten oder außerhalb. Deshalb das Intervall. Es sind aber noch alle Arten von damals vorhanden. Die gefährdeten Arten sind der Kiebitz, die Bekassine, Trauer- und Flußseeschwalbe, Feldlerche und Wiesenpieper. Diese sind aufgrund der landwirtschaftlichen Veränderung gefährdet. Das fügt sich so ein, wie ich vorhin sagte: Die 60 ha Wiesenfläche sind weg durch die Torfstiche, dann ist es zunehmend mit Weidengebüsche bewachsen (Grauerle an 1. Stelle), dann Birkenflächen als Feldgehölze, teilweise auf Hochmoorresten in den Wiesengebieten. Das sind nochmal ca. 60 ha, die zugewachsen sind. Da kann kein Kiebitz mehr brüten, keine Bekassine, keine Feldlerche. Das sind Bodenvögel. Aber es ist eine Gefährdung, die man in Beziehung zu dem Gebiet sehen muß und wie es sich ökologisch verändert hat. Aber diese Arten sind auch in der Umgebung, in der wir Wiesenlandschaften haben, hochgefährdet. Arten, die aufgrund des Moores gefährdet sind, gibt es nicht.

Gibt es auch äußere Umstände, wie Störungen, die den Rückgang gefördert haben?

Diejenigen, die jetzt hier sind, haben sich so an den Naherholungstourismus gewöhnt, daß ich das nicht so richtig erkenne. Das sind eben die üblichen Störungen, die in menschenbesuchten Gebieten auftreten. Und da tritt ein Gewöhnungsfaktor ein.

Also hätte der Rückgang gar nicht verhindert werden können?

Genau genommen ja. Es sei denn, man macht alles dicht. Es gibt Pläne, den Weg zwischen Ostrohe und Süderholm durch eine Schranke zu verschließen, so daß nur noch landwirtschaftlicher und fischereiwirtschaftlicher Verkehr durch kann. Es gibt noch andere Vorstellungen, daß die eigentlich zum Schutzgebiet gehörenden landwirtschaftlichen Flächen (Wiesen, Weiden) nicht mehr so bewirtschaftet werden wie im Moment. Der Landwirt kommt dann finanziell nicht mehr klar und das ist nicht durchsetzbar. Ich frage mich als einer von der Schutzseite, ob dies auch sinnvoll wäre, denn es wächst zu. Den Weg kann man offenhalten, aber der Rest wächst so zu, daß man nicht mehr durch kommt. Es wird zum Weidendickicht, und es wird sich eine Dickichttierwelt entwickeln, die ärmer ist als die offene Tierwelt. Man bezeichnet so etwas als halboffen, einfach, weil man noch Himmel sieht, z.B. wenn teilweise noch Waldgebiete und Gebüschkomplexe vorhanden sind. Tier- und Pflanzenwelt sind dort wesentlich zahlreicher in Menge und Arten als in geschlossenen Gebieten.

Warum hat sich die Trauerseeschwalbe gerade im Ostroher Moor angesiedelt?

Die war schon früher dort.

Warum hat sie sich dann früher dort angesiedelt?

Sie braucht ein ganz bestimmtes Substrat, in diesem Fall die Schwimmblattgewächse, z. B. Krebsschere, auf denen sie brüten kann und verbunden mit dem Gewässer, den Insektenreichtum zur Ernährung der Alt- und Jungvögel. Dann sicherlich auch der Sachverhalt der wenigen Räuber. Damit sind keine Menschen gemeint, sondern Tiere, die Eier und junge Trauerseeschwalben mögen.
Die günstigen Umweltbedingungen änderten sich aber teilweise dadurch, daß Teiche ausgeräumt wurden. Früher gab es hier 60 Paare, heute sind es bestenfalls 8-9 Paare (letztes Jahr). Dieses Jahr waren sie wieder da, hatten aber keinen Bruterfolg, weil Wasserratten die Eier gefressen hatten.

Gibt es Alternativen zur Krebsschere?

Bestenfalls in landwirtschaftlichen Bereichen mit Kuhlen, in denen früher das Vieh getränkt wurde. In den Randbereichen entwickelt sich eine Vegetation, in der sie brüten können. Aber auch das hat stark abgenommen und ist einer der Gründe für die Abnahme der Trauerseeschwalbe in Schleswig-Holstein, da die Weiden heute intensiver genutzt werden. Das bedeutet, daß heute viel mehr Rinder pro Fläche laufen und dabei wird unbeabsichtigt viel zertreten. Es , gibt also kaum Alternativen. Bei uns brüten nochmal vereinzelt Trauerseeschwalben so, aber das Hauptvorkommen ist im Ostroher Moor.

Kann man künstlich nichts machen?

Das macht ja der Anglerverein. Das ist positiv zu erwähnen. Ich bin kein Angler, aber ich versuche das nicht so einseitig zu sehen. Wenn ich Landwirtschaft sage, meine ich nicht den Landwirt. Die Landwirtschaft steht unter starkem ökonomischen Druck und wenn sie die Flächen nicht so nutzen würden, müßten viele aufgeben. Damit soll nur der Faktor, der gefährdet, dargestellt werden und keine Schuldzuweisung erfolgen. So kann man auch zu den Anglern sagen, daß, wenn es den Anglerverein nicht gegeben hätte, würde das Moor so gar nicht geben, weil es dann zugewachsen wäre. Es wäre ein Sumpfwald, in den niemand hineingehen würde. Vielleicht am Verbindungsweg Ostrohe-Süderholm und an diesem und jenem Damm, so nennt man die Bereiche zwischen den Torfstichen. Es wurden Flöße in einem Gewässer verankert. Das ist eine mehrere Quadratmeter große Fläche, etwas mit Binsen und so bepflanzt. Dort haben sich dann Trauerseeschwalben ansiedeln können. Diese Flöße sind also Nisthilfen.

Welche Maßnahmen müßte man ergreifen um den Vogelbestand zu vergrößern?

Er hat sich zum Erstaunen vieler, die, die, einzelnen Entwicklungen nicht so in Blick haben, schon sehr stark vergrößert. Ich nenne mal 3 Zahlen: Aus den 50er Jahren sind 22-27 Arten bekannt, aus den 80er Jahren 80 Arten und aus der Mitte der 90er Jahre ist die Anzahl von 56 Arten bekannt. Sie hat sich also um das 2, 5-fache erhöht. Daraus ergibt sich nun die Frage, wie das kommt, da man genau das Gegenteil erwartet hätte. Das hängt mit der Bewaldung zusammen. Das Wachstum von Grauweiden und Birken schafft Gebüsch und Wald, damit folgen verhältnismäßig schnell Gebüsch- und Waldvögel. Deren Anteile an der Fauna sind größer als der Anteil der Wiesenvögel. Von daher haben wir eine successive Bestandszunahme in der Menge der jeweiligen Arten.

Was wären die Folgen, wenn sich an der Nutzung des Moores nichts ändert?

Die Flächenverhältnisse des jetzigen Landschaftsschutzgebietes sind folgende:126 ha Grünland, 72 ha Ried und Gebüsch, 16 ha Bruchwald, 2 ha Fichte, 60 ha Gewässer und 7 ha Wege. Wenn sich nichts verändert und man betrachtet nur das Grünland, dann würde dort weiterhin Silage und Heunutzung vorkommen. Da können wir im Einzelnen sehen, wie sich das bisher verändert hat und wir die Bodenvögel betrachten, die auf dieser Fläche brüten. 1985waren es 8 Arten, darunter Kiebitz und Bekassine, mit 33 Revieren. 1997 gab es nur noch 16 Reviere, darunter nur noch Kiebitzpaar, keine Bekassine und 1 Bachstelze. Wird das Moor weiterhin so genutzt, werden die Arten, die nur noch 1 Revier haben, zumal wenn sie größer sind wie der Kiebitz, nicht weiter existieren können, weil der Fortpflanzungserfolg nicht gegeben ist. Außer den bisher genannten Arten sind noch der Sumpfrohrsänger und das Braunkehlchen mit je einem Paar vertreten. Der Bestand wird also weiter schrumpfen. Man muß leider sagen, daß man bei der derzeitigen Nutzung nur auf 5-10 Vogelpaare auf solchen großen Flächen kommt. In den anderen Bereichen wird es sich noch mehr zu Wald- und Gebüschvögeln hin entwickeln. Nehmen wir zum Beispiel mal die dominante Art, den Fitislaubsänger. Das ist ein kleiner grüner, 7-8 g schwerer Vogel. Von ihm habe ich 1996/97 etwa 140 Paare festgestellt. Er ist ein typischer Gebüschbewohner. Von der Gartengrasmücke, die vor 50 Jahren das Gebiet noch gar nicht besiedeln konnte, weil sich der Lebensraum noch nicht gebildet hatte, gab es 70-75 Paare. Von der Amsel gab es vor 50 Jahren 1-2 Paare, jetzt 64-70. Es ist also eine gespaltene Entwicklung feststellbar: Auf der einen Seite ein totaler Niedergang (Grünland), auf der anderen Seite hohes Wachstum (Gebüsch- und Waldbereich).

In den 80er Jahren wollte man die Fläche des Landschaftsschutzgebietes erweitern. Wie sieht es mit diesen Plänen aus?

Das waren Vorschläge und die sind jetzt noch in Bearbeitung. Nicht nur auf dem grünen Tisch, sondern wirklich in Bearbeitung. Das sind Maßnahmen für den Landschaftsschutz, weil man jetzt die Erkenntnis hat, daß es für die Vögel Ausweichmöglichkeiten geben muß, wenn es Störungen gibt. Man denkt in Größenordnungen von mindestens 150-200 ha, am liebsten noch größer. Ob dies so verwirklicht wird als Landschaftsschutzgebiet bzw. Naturschutzgebiet, ist eine zweite Frage. Beim Naturschutzgebiet sind die Kriterien, die den gesetzlichen Status betreffen, strenger, zum Beispiel muß eine störungsfreie Kernzone vorliegen und dann dürfte dort keine Landwirtschaft mehr betrieben werden. Man hat aber festgestellt, daß sich dieses sogar negativ auf die Wiesenvogelwelt auswirkt, wenn das Grünland, nur davon spricht man, sich überlassen wird. Es wächst dann dermaßen dicht und hoch, Staudengewächse etc., daß die meisten Wiesenvögel dort gar nicht mehr leben können. Und dann hat man dem Wiesenvogelschutz, der die meisten gefährdeten Vögel betrifft, einen Bärendienst erwiesen. Im Grunde genommen müssen die Gebiete mit Hilfe der Landwirte bewirtschaftet und gepflegt werden. Die Gebiete sind dann nicht mehr rentabel und, jetzt wo der Naturschutz als Gesellschaftsaufgabe angesehen wird, müßte der Landwirt entschädigt werden. Naturschutzgebiete sollen die weitgehend unberührte Natur darstellen, aber das bekommen wir hier nur mit Hilfe der Landwirte. Eines muß ich noch sagen. Die Wiesenvogelwelt vor dem Krieg hat sich durch die "bäuerliche" Art zu wirtschaften entwickelt, denn die landwirtschaftliche Bevölkerung hat diese Gebiete erst geschaffen. Es ist ja erst alles kolonisiert worden. Oderbruch etc. sind die gleichen Vorgänge. Das war alles Sumpf- und Schilfwildnis und ist entwässert worden bzw. es war Erlenbruch und ist gerodet worden. Vor 500-600 Jahren war das alles bewaldet und es waren erhebliche Kraftanstrengungen von 5-6 Generationen, die alles gerodet und entwässert haben. Dadurch ist diese Wiesen- und Weidenlandschaft entstanden. Heute wird teilweise weniger entwässert und es entstehen wieder Weide und Birke. Das sind die größeren ökologischen Zusammenhänge. Die Wiesenvogelwelt stellte sich meist aus Südosten ein, z. B. Uferschnepfe (Eiderbereich), Kiebitz Feldlerche. Von Westen her konnte nichts kommen. Wird die Landschaft verändert, so daß mehr Wald entsteht und es eine intensive Nutzung gibt, z. B. wird heute dreimal gemäht, haben z. B. Kiebitze keine Chance Nachwuchs zu zeugen, d.h. Eier zu legen und auszubrüten. Dafür brauchen sie mindestens 4 Wochen und nach 3 Wochen wird gemäht. Auf diesen Flächen könnte man Golf spielen und der Nachwuchs hat keine Chance. Der Kiebitz ist jetzt eine "Rote-Liste"-Art geworden. Vor 40 Jahren war er dermaßen häufig, daß man gar nicht versuchte ihn mengenmäßig zu erfassen. Man kam mit dem zählen ja gar nicht nach. Und wie gesagt, jetzt auf der Fläche auf ein Revier abgesunken, so daß landesweit gesehen, der Kiebitz stark bedroht ist. Das hat folgenden fast ausschließlichen Grund: Sobald gemäht worden ist, versuchen die Kiebitze ihre Gelege zu zeitigen. Das geht relativ schnell, so 4 Tage, weil sie sowieso schon in Balzstimmung sind. Die Bebrütungszeit beträgt 12-13 Tage, dann schlüpfen die Jungen und sind meinetwegen 6-7 Tage alt, wenn auf diesen durch die Schnellwuchsigkeit, Düngung usw. jetzt allmählich schon wieder hochwachsenden Grünlandflächen, vor allem bei gutem Wetter, nach 2, 5-3 Wochen schon wieder gemäht wird und dann wieder bis fast auf die Narbe herunter.Die Jungen sind dann noch lange nicht flugfähig und laufen als Küken oder werden von den Altvögeln geführt um Nahrung zu suchen. Die Küken kommen also nicht weg, weil sie durch die Gräben sozusagen ein großes Gefängnis haben. Diese Flächen sind zwar ein paar Hektar groß, aber heutzutage so eben und gut zu mähen, daß die Jungen keine Chance haben. Von daher ist der Bruterfolg immer geringer als die Anzahl der Altvögel und so sinkt der Bestand rapide ab. Aber es gibt erhebliche Kräfte, vor allem in der Jägerschaft, die sagen, daß Krähen die Eier der Kiebitze vorher auffressen und es gar nicht erst zu den Jungtieren kommt. Das ist im Grunde genommen ein natürliches Phänomen. Es gibt so viele die Eier fressen, wir können den Menschen auch mit einbeziehen. Nur haben wir das dann in bestimmter Weise gelenkt, indem wir das liebe Federvieh dafür auch pflegen und nutzen, aber andere Tiere können sich ja nicht nach dieser Weise richten und haben, wenn die Bestände des Kiebitz geringer werden, eine größere Chance an die Eier zu kommen. Kiebitze scharen sich immer gleich zusammen, wenn sie eine Krähe sehen und hassen die an. Und dann fliegen die Krähen meistens schon weg, weil sie sich gestört fühlen. Wenn aber immer weniger Altvögel zur Verfügung stehen, die die Krähe anfliegen, dann findet sie das nicht mehr so belästigend und von oben aus dem Flug sieht sie natürlich sehr leicht das Nest und frißt auch mal die Eier. Das ist doch klar, aber die haben immer Eier gefressen. Das ist, wenn ein guter Kiebitzbestand da ist überhaupt kein Problem, weil es leicht ausgeglichen werden kann. In diesem Fall aber, wenn die Bestände immer weiter absinken, spielt das auch eine gewisse Rolle. Aber dann ist diese Möglichkeit ja schon sekundär ökologisch einzustufen, weil dieses Verhältnis zwischen den Tieren früher auch schon bestand. Da gab es ja auch schon Krähen. Das wollte ich nochmal dazu sagen, weil Ihnen sicherlich auch jemand sagen wird, die Krähen hätten den Bestand der Kiebitze ruiniert. Das muß man in einem größeren ökologischen Zusammenhang sehen. Es ist überhaupt meistens so, daß es nicht nur einen Faktor gibt, der den Niedergang einer Art beeinflußt, sondern es sind immer mehrere die da zusammentreffen.

Im Ostroher Moor gibt es diese Streuwiesen. Wären diese nicht günstig für die Vögel, da sie nicht oft gemäht werden?

Guter Hinweis. Wenn man es wachsen läßt, hat man den Bereich des Seeufers, ökologisch gesehen. Dann Wiesen mit Stauden, die bis zu Im hoch wachsen. Hier können Kiebitz, Bekassine etc nicht leben. Sie brauchen flache Wiesen, so etwa 20 cm hoch und locker. Diese Bereiche gab es früher einmal, bevor das Land so intensiv genutzt wurde. Das war optimal. Wenn man sich stillgelegtes Wiesenland ansieht, können die Vögel gar nicht laufen, da die Halmdichte durch die Düngung zu groß ist. Also meiden sie solche Flächen. Das ist der Nachteil, aber das hat sich erst im Laufe der Zeit gezeigt. Das konnte man nicht so prognostizieren. Das ist alles schwierig, weil sich in der Evolution die Tiere eingenischt haben. Es gibt Vögel, die damit zurechtkommen, aber nicht hier. Jetzt gibt es Verträge mit Landwirten, damit sie nicht düngen und die Halmdichte nicht so groß wird. So können die Vögel durchlaufen und die Jungen an nahrungsreiche Stellen geführt werden. Hier ist die Besatzdichte an Vieh auch geringer. Dafür wird der Landwirt aber teilentschädigt.

Gehen viele Landwirte darauf ein?

Das muß jetzt schon beschränkt werden, weil der Staat dies nicht mehr finanzieren kann. Und wir sind besonders betroffen, weil wir ca. 75% landwirtschaftliche Flächen haben.

Welchen Einfluß nimmt die Landwirtschaft auf das Ostroher Moor?

Es gibt hauptsächlich Grünland zur Heu- bzw. Silageherstellung und zur Beweidung. Die Flächen werden intensiv genutzt. Auf diese Fläche bezieht sich die Tabelle mit den 15 Brutpaaren auf 126 ha. Dies betrachte ich ganz sachlich und nüchtern. Ich will keine Argumente gegen die Landwirte herausstellen, nur man muss erst Mal wertfrei den Einfluss erforschen. Man legt dann eine andere Bewirtschaftungsform fest und berechenbare Verluste werden ausgeglichen. Aber im Augenblick ist dies dem Staat zu teuer.
Im Moment hört man im Frühjahr um Heide herum keinen Lerchengesang mehr. Wenn man sich vorstellt, dass Storm erzählt, daß die Luft voller Lerchenlaut war. Ich kenne das auch noch aus den 50er Jahren aus dem Süderholmer Moor. Das war wie heute die Musik im Supermarkt. Hunderte hörte man singen. Und Kiebitze, wenn sie ihre Jungen führten, dann haben die ihr Warngeschrei ausgestoßen und dann ging man schon weg. So hoch war der Bestand dieser Arten und jetzt gerade mal 1 Paar.
 
 
 

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